Blogroman – Kapitel 1

Sie jagte durch die Gänge des Krankenhauses. Bloß weg hier, bevor jemand fragte, warum sie so verweint aussah. Als sie kam, hatte sie Jana noch auf dem Arm, aber jetzt ging sie alleine.

Hörte sie das verzweifelte Weinen wirklich noch? War es nur eine Illusion? Als sie ging, hatte Jana ihre Ärmchen nach ihr ausgestreckt und sie angestrahlt, voller Vertrauen, dass sie käme und sie wieder mitnehmen würde.

Sie hatte sich nicht nochmal umgedreht und war weggerannt.

„Anne, was hast du nur getan?“, fragte sie sich. Sie war kein normaler Mensch, sie war ein Monster ohne Gefühle. Wer ließ schon ein 6 Monate altes Baby im Krankenhaus zurück?

Sie war gerade 16. Es war 1981. Es gab keine Frauenhäuser, keine Unterstützung und Frauen ohne Mann wurden stigmatisiert. Ihre Mutter hatte ihr verboten, darüber zu sprechen, es sei eine Schande, sagte sie.

Jana war ein Unfall gewesen, der Vater weg. Sie hatte keine Wahl. Ihre Mutter hatte die Adoption befohlen, keiner wollte ihr helfen. Alles Weinen, Betteln und Toben hatte nichts gebracht.

„Wenn du sie behalten willst, musst du ausziehen!“, hatte ihre Mutter sie irgendwann angeschrieen. Aber wohin hätte sie mit Jana gehen können? Von was sollten sie leben? Sie ging noch zur Schule, war selbst noch ein halbes Kind, wie sollte sie ein Baby versorgen?

Während sie in den Bus stieg, wusste sie, dass sie diesen Moment nie wieder vergessen würde.

Zu Kapitel 2

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