Blogroman – Kapitel 2

An Tagen wie diesen

Zu Kapitel 1

“Ich will euch nie wieder sehen! Lasst mich in Ruhe! Für immer!“

Er konnte sich schneller verändern, als eine Webseite zum Laden braucht. Wie ein Chamäleon seine Farben wechselt. Als wäre er plötzlich ein anderer Mensch. Diesmal hatte Jana sogar Glück, sie war vorbereitet. Sonst war es immer so, dass er einfach verschwand. Telefon aus. Kein Lebenszeichen.

Tagelang, wochenlang, monatelang.

Nicht zum ersten Mal fragte sich Jana, wie sie hier gelandet war. Ein One Night Stand, ein gerissenes Kondom, ein Kind, eine Beziehung, die keine war.

“Gut, dass Marlene noch schläft,“ dachte sie und starrte die Fototapete an. Fotos von Marlene, der Geburt, ihrer eigenen Kindheit, ihrer wichtigsten Momente.

Jana und Nick waren ein Zufall. Oder Schicksal. Jedenfalls die Verkettung von Umständen, die sie zusammengeführt hatten. An einem Ort, an dem sie beide nicht lebten.

Das Einzige, was sie vereinte, war ihre Tochter.

Jana wusste, wie sehr Nick Marlene liebte. Nur sie sah die innigen Stunden, die die beiden gemeinsam verbrachten. Er konnte anders sein. Wenn er gut drauf war. Aber eine Liebe, die allen gut tat, würde niemals funktionieren.

Marlene brauchte eine Mutter, die sie beschützte. Sie war noch so klein. Deswegen musste Nick gehen. Manische Depressionen waren schließlich kein Kinderspiel, vor allem, wenn man selber unter psychischen Problemen litt.

Da stand er also und sagte, er wolle sie beide nie wieder sehen. Er war auf dem Sprung. Wie immer leicht den Kopf einziehend, wandte er sich ab und schlurfte davon. Das lag an seiner Größe. Fast zwei Meter. Jana mit ihren knapp 1,60 fühlte sich dagegen oft sehr klein.

„Scheiß auf ihn! Und scheiß auf Freunde bleiben!“, dachte Jana.

Sie dachte immer in Musik.

Sie ließ einen kurzen Moment die Verzweiflung zu. Dann fuhr sie sich durch die blonden Haare und steckte ein paar Spangen fest, obwohl es gar nichts zu richten gab.

“Idiot!“ dachte sie insbrünstig. “Es könnte alles gut sein. Wieso bist du nicht einfach ganz normal?“

Anständige Männer gab es nicht. Zumindest nicht für sie. Seit dem schlimmen Unglück damals hatte sich die Liebe gegen Jana verschworen, da war sie sicher.

Solche Momente, dass er einfach abhaute, gab es ständig. Es brachte nichts, auf ihn einzureden, sich zu wehren oder mit ihm zu streiten. Wenn Nick so drauf war, nahm er nichts mehr wahr.

Er hatte das erste Mal einen solchen Ausraster, als Marlene noch in ihrem Bauch war. Seitdem tat sie alles dafür, dass Marlene davon nicht mitbekam.

Jana hatte keine Angst vor ihm. Sie wusste, dass er keiner Fliege etwas zuleide tun würde.

„Mit steigendem Alter wird es schwierig werden, das vor Marlene zu verbergen. Was soll ich nur tun?“, überlegte sie. Es machte sie fertig. Vor allem, weil sie wusste, wie Nick sonst war.

Die Liebe meinte es wirklich nicht gut mit ihr. Sie war ein Arschloch.

Jeder riet ihr, ihm den Kontakt zu seiner Tochter zu verbieten. Doch das lehnte sie entschieden ab.

Nick hat niemanden. Ich lasse ihn nicht im Stich. Er ist ein wunderbarer Mensch,“ dachte sie. “Marlene leidet, wenn sie ihren Vater nicht kennen lernen kann.

Und ich weiß genau, wie das ist!“

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