Kapitalismus – Kann jeder reich werden?

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Hilft der Kapitalismus wirklich jedem? Stimmt es, dass jeder sich ein Stückchen vom großen Geld – Kuchen erkämpfen kann und dass wir alle die gleichen Voraussetzungen haben…wenn wir uns nur genug anstrengen?

Oder gilt diese Theorie nur für Menschen mit gewissen Voraussetzungen?

Ich habe in den letzten Jahren sehr interessiert die These verfolgt, dass angeblich jeder in der Lage sei, seine eigene Situation zu beeinflussen.

Das Gesetz der Anziehung

Alleine positive Gedanken zum Thema Geld sollen angeblich dafür sorgen, dass wir es wie magisch in unser Leben ziehen. Da gibt es Bücher ohne Ende zu, z.B. “The Secret“. Einfach dran glauben, visualisieren, fertig. Wer es nicht schafft, macht was falsch.

Es gab Zeiten in meinem Leben, da war das einfach himmelschreiender Unsinn – und das, obwohl ich schon in einem der reichsten Länder dieser Erde lebe.

Es war der blanke Hohn, diese Dinge von der eigenen Verantwortung zu lesen. Wie ein Schlag ins Gesicht. Ich stimme zu 100% zu, dass jeder seines Glückes Schmied ist und man durch sein Mindset unglaublich viel zum Positiven verändern kann.

Aber nicht in jeder Lage und unter allen Bedingungen! Für den einen ist es leicht, für den nächsten schon schwerer und für viele nahezu unmöglich!

Bis ich verstanden habe, dass es nicht meine Schuld ist, dass ich trotz all meiner Bemühungen und meinem Fleiß nicht reich wurde, vergingen Jahre.

Und dann nochmal zwei oder drei, bis mir klar war, dass diese Theorie vom “Reichtum für alle” eine Lüge von denen ist, die genau damit Geld verdienen. Für die der Kapitalismus noch funktioniert (es werden immer weniger!)

Als meine Tochter geboren war, hat ihr Vater uns verlassen, wir waren ein paar Jahre lang alleine. Ich habe in dieser Zeit Vollzeit gearbeitet, mein Kind versorgt, mir nebenbei ein Business aufgebaut, ein Studium dafür absolviert und trotz meinem Vollzeitjob in der Pflege wegen hoher Kinderbetreuungskosten nur ein paar Euro zum Leben für uns beide übrig gehabt.

Die Bedingungen für finanziellen Erfolg müssen stimmen

Ich habe mir jahrelang ein Bein ausgerissen, um aus diesem Hamsterrad zu entfliehen. Eigenes Business -und ich war gut ausgebildet- und Geld zurück legen (ich habe dafür auf wirklich JEDEN Konsum verzichtet und es trotzdem nicht geschafft!).

Ich wollte Zeit schaffen und jede Sekunde nutzen. Das ging bis hin zur völligen Freizeitlosigkeit. Ich habe an meinem Mindset gearbeitet und Bücher ohne Ende über Geld gelesen. Positiv und optimistisch war ich ohnehin immer schön.

Erreicht habe ich gar nichts. Das lag weder am fehlenden Willen noch an mangelnder Kompetenz. Es lag einfach daran, dass meine Bedingungen nicht stimmten.

Es war zumindest für mich in dieser Situation der blanke Hohn, diese Dinge von der eigenen Verantwortung zu lesen. Wie ein Schlag ins Gesicht.

Klar, ich stimme zu 100% zu, dass jeder seines Glückes Schmied ist und man durch sein Mindset unglaublich viel zum Positiven verändern kann.

Aber nicht in jeder Lage und unter allen Bedingungen! Für den einen ist es leicht, für den nächsten schon schwerer und für viele nahezu unmöglich!

Andere Bedingungen können alles verändern

Seit ich in einer Partnerschaft bin und Finanzen und Zeit fair geteilt werden (und meine Tochter kein Kleinkind mehr ist…) hat sich meine Situation rapide gebessert.

Es war das einizge Mal, dass ich mit Armut in Berührung kam – und es gab zu dieser Zeit absolut keine Möglichkeit, diesem Hamsterrad zu entfliehen. Natürlich hatte ich die Situation selbst zu verantworten, ich hätte ja kein Kind kriegen müssen.

Aber Wege verlaufen nicht immer nach Plan und ich hatte vorher ja keine Ahnung, dass ich alleinerziehend werden würde. Hier kannst du ein Interview mir über diese Zeit lesen und hier meinen Blogroman über unseren Kampf um bessere Bedingungen.

Wenn das hier zufällig einer dieser Kapitalismus Jünger liest, der die These des “Jeder kann ein Stück vom Kuchen bekommen” vertritt, kann er ja gerne in die Kommentare schreiben, warum diese Regel für mich nicht galt und ich meine Situation erst durch einen Mann (weniger Kosten plus mehr Zeit) verbessern konnte.

Der alte Mythos “Jeder kann reich werden”

Nun frage ich mich, ob die „Reich werden“ Theorie für alle Menschen auf der Welt gilt. Ist es nicht eher so, dass bestimmte Rahmenbedingungen gegeben sein müssen, damit das funktionieren kann?

Oder gilt diese Überzeugung nur für das Patriarchat? Für Männer, die genug Zeit haben, sich auf ihr Unternehmen konzentrieren zu können, weil ihre Frauen ihnen alle andere Arbeit abnehmen? Für Menschen mit Startkapital? Für Leute, die einfach Zeit haben, weil sie keine Eltern sind?

Und gilt der Erfolg des Kapitalismus ganz generell nur für Länder, in denen Menschen keine anderen Sorgen haben als reich zu werden (verhungern, Unterdrückung von Frauen, Gewalt, Krieg und Co)?

Ist es so, dass nur Menschen Reichtum aufbauen können, bei denen die Grundbedingungen stimmen?

Können nur Reiche reicher werden?

Ich halte es für absolut unrealistisch, dass z.B. eine Mutter mit 6 Kindern aus Afrika, die in völliger Armut lebt, sich irgendwie ein Online Business aufbauen könnte. Oder dass sie generell überhaupt etwas an ihrer schlechten Ausgangslage ändern könnte.

Ebenso sieht es für sehr, sehr viele Frauen in vielen Ländern der Erde aus…alleine wegen der bis heute andauernden Unterdückung – sie DÜRFTEN gar kein Business aufbauen.

Auch eine alleinerziehende Mutter in Deutschland wäre dazu häufig nicht in der Lage, schlicht und einfach weil ihr die Zeit fehlt. Gilt diese „jeder kann reich werden“ Theorie also nur für Menschen (Männer?) mit Zeit und den nötigen Ausgangsbedingungen – oder auch für Menschen, die nicht wie wir hier im Westen in Saus und Braus leben?

Es liegt an dir, du strengst dich nicht an!

Das ist es, was mich an diesen Theorien stört: Diese Abschiebung der Verantwortung an jeden Einzelnen:

Jeder kann angeblich reich werden, jeder kann es schaffen, wer es nicht schafft, strengt sich nicht genug an und ist somit selbst schuld, wenn er versagt.

Ich denke, das entspricht nicht der Realität und ist ein Märchen des Kapitalismus, damit wir Menschen nicht den Glauben an dieses System verlieren.

Und es ist ja ganz logisch, dass Menschen, die es geschafft haben, viel Geld zu verdienen, behaupten, das könne auch jeder andere schaffen. Es ist eine einzige Lüge, um dieses kaputte System zu rechtfertigen, das ist meine Meinung dazu.

Der Kapitalismus ist eine Lüge!

Denn wenn alle Menschen wüssten, sie haben eh keine Chance haben (oder nur eine sehr minimale!), sich aus ihren teilweise erbärmlichen Lebensumständen zu befreien, wäre das das Ende dieses Systems.

Was sagst du dazu? Denkst du, dass z.B. die Frau aus Afrika zu der Menschengruppe „jeder kann reich werden“ gehört? Ein Kind, dass in einer Mine schuftet? Ein Leiharbeiter aus einem armen Land, der hier in Deutschland verheizt wird und jeden Cent an seine Familie zuhause schickt?

Ein Mann, der seit Jahren in Kriege gerät, die in seinem Land herrschen? Eine Mutter, die ganz alleine für ihre Kinder verantwortlich ist, die null Zeit hat und jeden Cent 5x umdreht?

Für diese Menschen scheint das Gesstz der Anziehung nicht zu funktionieren. Ich möchte wirklich gerne wissen, was die Anhänger des Kapitalismus dazu sagen. Sie behaupten ja auch, durch den Kapitalismus sei der Hunger auf der Welt weniger geworden.

Weniger Hunger weltweit – Verdienst des Kapitalismus?

Ich halte das für eine Lüge und denke eher, der Hunger ist durch engagierte Menschen und Organisationen weniger geworden, die sich dafür einsetzen (und damit übrigens natürlich NICHT reich werden!)

Wie verhält es sich dann mit Menschen, die nicht solche Privilegien haben wie wir hier im reichen Deutschland? (Und, wie gesagt, auch hier gibt es Armut, wie wir alle wissen. Sind diese Menschen denn wirklich alle selber schuld, weil sie sich keine Mühe geben?

Oder gilt die Anleitung der Gurus, die behaupten, jeder könne im Kapitalismus zu Geld kommen, wenn wir nur wollen, nur für einige, häufig männliche, Bewohner von reichen Ländern?

Natzürlich ist es Fakt, dass nur Menschen reich werden, die härter arbeiten als andere (zumindest dann, WENN sie keine Erben sind oder auf irgendwelche illegalen Wege zu Geld gekommen sind!).

Aber ist es nicht trotzdem so, dass ein hart arbeitender Mann, dem seine Frau den Rücken freihält, damit er sein Unternehmen hochziehen kann, es wesentlich leichter hat als z.B. eine Mutter mit drei Kindern und Vollzeitjob ohne jede Zeitinsel?

Wie siehst du das? Hast du eine realistische Chance, deine Umstände zu verändern und reich zu werden?

Liebe Grüße, deine Charlotte

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