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Pflegenotstand – Wem hilft es?

Das Lächeln der Menschen ist Belohnung genug…ich liebe meinen Job…. Ich helfe…Ich tue etwas wirklich Sinnvolles!

Das habe ich tatsächlich 12 Jahre lang in meinem Beruf als #Pflegefachkraft geglaubt.

Nur: Ich HABE den Menschen nicht geholfen.🤔

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Wem hilft es zum Beispiel, wenn ich keine Zeit habe, ein Gespräch mit einem Klienten zu führen?

Wem hilft es, wenn ich eine Abmahnung kassiere, weil ich mich 10 Minuten zu lange mit einer einsamen Seniorin, die Redebedarf hatte, unterhalten habe?

Wem hilft es, wenn ich wie ein Roboter stumpf Medikamente verteile, um Menschen einfach ruhigzustellen – die sie in Wirklichkeit oft gar nicht brauchen?

Wem hilft es, wenn ich aus Zeitmangel jemanden nicht umlagern kann und er einen Dekubitus bekommt?

Wem hilft es, wenn ich, weil 3 Leute gleichzeitig klingeln, Entscheidungen zwischen Leben und Tod treffen muss, weil ich die einzige Fachkraft auf der Station bin?

Wem hilft es, wenn ich täglich einem Bewohner einen Urinkatheter wechsle, den er gar nicht bräuchte – weil durch den Personalmangel keine Zeit für die Inkontinenz – Pflege ist und der Katheder Zeit spart?

Wem hilft es, wenn ich diese Zustände nicht kritisieren kann, weil mir dann mit Abmahnung / Kündigung gedroht wird…oder man von Kollegen gemobbt wird?

Wem hilft es, wenn ich zusehe, was für ein mieses Essen meine Klienten / Bewohner des Heimes bekommen, damit Geld gespart werden kann?

Wem hilft es, wenn ich aus Überforderung/ Übermüdung Fehler mache?

Wem hilft es, wenn ich schweigend zusehe, wie eine unfähige, frustrierte oder überforderte Kollegin die Bewohner einer Behinderteneinrichtungen anschreit, bis sie fast weinen?

Wem hilft es, wenn ich meine Familie nicht mehr sehe – und keine Zeit für meine eigenen Kinder habe, weil mein Job mich auffrisst?

Wem hilft es, wenn ich hinnehme, dass mein Dienstplan x mal pro Monat geändert wird oder ich 24 Tage oder 24 Stunden am Stück arbeite? Den Menschen? Mir? Meiner Familie?🤔

Wem hilft es, wenn in einem Beruf, in dem viele Frauen arbeiten, alle hinnehmen, dass die Arbeitszeiten fast unmöglich mit Kindern zu vereinbaren sind?

Welchen Menschen genau helfe ich denn so, verdammt? 🤔

Das sind alles übrigens eigene Erfahrungen (oder manchmal die von mir bekannten Kollegen) aus verschiedenen Job Stationen – und es gibt noch 1000 andere Beispiele.

Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele und Positives, aber es wird immer weniger, was an diesem Job noch schön ist.

WIE helfe ich also wirklich? Hier ein paar Ideen:

Ich helfe, wenn ich aussteige aus diesem unwürdigen System, laut die Missstände kritisiere oder ernsthaft demonstriere (wie die es z.B. in Israel momentan vormachen).

Nicht, wenn ich helfe, diesen Scheiß zu vertuschen.

Und ich helfe, wenn ich, nicht nur im Geld zu verdienen, mich um pflegebedürftige Personen in meinem Umfeld kümmere.

Ich kann der alten Nachbarin einen Einkauf bringen und ein Pläuschchen halten – NICHT nur während Corona, sondern immer.

Oder in einem Seniorenheim was vorlesen. Einfach so, ganz ohne Geld. Ich weiß, klingt utopisch in dieser Kapitalisten – Ego – Welt.

Toll ist es auch, einem Rollstuhlfahrer beim Einsteigen in einen Bus helfen.

Das Wichtiste wäre wohl: Mich stark machen für Verbesserungen in der Pflege – durch eine Gewerkschaft, durch Streiks, durch ehrliche Worte, durch Kritik, durch politisches Engagement, wie auch immer.

Obwohl ich meinen Beruf geliebt habe, bin ich komplett ausgestiegen, weil ich die Umstände nicht mehr hinnehmen wollte und weil ich einfach nicht mehr konnte.

Pflegekräfte sollten sich endlich zusammen tun und streiken. Und zwar richtig. Nicht einmal Corona konnte ein Umdenken bewirken. Und dann wundert man sich, dass die meisten Pflegekräfte sagen: “Ihr könnt uns mal mit eurem Applaus”!

Der Applaus ist längst verebbt – Die Pflege ist den meisten wieder scheißegal – bis sie dann selbst alt sind oder krank werden.

Von der Politik brauchen wir gar nicht reden, denn natürlich werden die nichts ändern.

Da wird mit dem Helfersyndrom gespielt, da werden Menschen ausgenutzt, die von Herzen gut sind und eine Arbeit machen, die mit Geld gar nicht bezahlt werden kann! 🥺

Nur: So, wie es ist, ist es noch nicht mal mehr HILFE. Die Klienten leiden, die Pflegekräfte und ihre Familien, vor allem die eigenen Kinder, für die keine Zeit bleibt, leiden und am Ende leidet auch die ganze Gesellschaft darunter.

Es liegt an uns – und zwar NICHT nur an den Betroffenen, sondern auch an den “normalen” Bürgern, die auf ein solch menschenunwürdiges Ausbeutungssystem einfach keinen Bock mehr haben!

Charlotte

Vielseitige Autorin & Bloggerin, Onlinebiz Solopreneurin, Minimalistin, Mutter, Ex - Pflegekraft, Veganerin, auf dem Weg zu Zerowaste, autofrei. Wer versucht, mich in eine Schublade zu stecken, dem klemme ich darin den Finger ein.

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